Polizei und Karneval

Im Jahr 1823 sorgte die preußische Landgendarmerie für öffentliche Ruhe, Ordnung und Sicherheit im Königreich. Bis zur Kölner Polizei, wie wir sie heute kennen, war es noch ein langer Weg. Aber auch damals gab es bereits Gründe, das als wild und fröhlich beschriebene närrische Treiben in Köln, das zu jener Zeit zur preußischen Rheinprovinz gehörte, in geregelte Bahnen zu lenken. 1823 wurde deshalb das „Festordnende Komitee“ gegründet.

Dass die Preußen ordnungsliebend, aber nicht gänzlich „spaßfrei“ waren, bewies Karl Heinrich Maximilian von Czettritz und Neuhauß, Generalmajor und Kommandeur der 15. Kavallerie-Brigade in Köln. Als protestantischer Preuße nahm er sogar die Bürgerschaft im katholischen Köln an. Im Jahr 1827 stellte er dem Kölner Rosenmontagszug sechs Schimmel mit Geschirr, Kutschern und Vorreitern zur Verfügung. Daraus entwickelte sich eine Tradition, die bis in die Neuzeit Polizei und Karneval fest verband. Bis zur Auflösung der Kölner Reiterstaffel im Jahr 2003 führten Reiter der Polizei Köln den Rosenmontagszug an.

Getreu dem Motto „Gleiche Brüder, gleiche Kappen“ schlug von Czettritz im Jahr 1827 dem noch jungen Festkomitee vor, während des Karnevals „ein kleines buntfarbiges Käppchen“ als gemeinsames Erkennungszeichen aufzusetzen. Diese Maßnahme sollte dazu dienen, „diejenigen, die hier unberufen eindringen, erkennen und nach Verdienst abweisen zu können“. Das war die Geburtsstunde der Narrenkappe, die noch heute die Zugehörigkeit zu einer der Gesellschaften deutlich macht.

Auch wenn Uniformen im Karneval als Persiflage auf das Preußentum gedacht waren, zeigt sich der militärische Einfluss noch heute in den von den Corps getragenen Waffenröcken. Da sich Waffenröcke aber für die Gendarmen – und damit wären wir wieder bei der Polizei – als unpraktisch erwiesen, erhielten Gendarmen Litewken, wie sie auch heute noch bei den Karnevalsgesellschaften getragen werden. Die Litewka aus feinem Wollstoff tragen wir Polizisten heute als Jacke der Innendienstuniform.

Welche Rolle die Gendarmen beim ersten Rosenmontagszug spielten, ließ sich nicht recherchieren. Überliefert ist indes, dass der „Held Karneval“, wie der Prinz seinerzeit noch hieß, schon 1823 von zehntausend Jecken gefeiert wurde. Zehn Jahre später lockte der Karneval an Rosenmontag bereits 50.000 Zuschauerinnen und Zuschauer in die Stadt.